"Die Barockarchitektur
  nicht nur Deutschlands,
  sondern Europas,
  hat weniges,
  was sich mit ihm messen kann."


Der deutsche Kunsthistoriker Georg Dehio
zum Neresheimer Bauwerk





Sehr kurze Geschichte des Klosters:

Das Kloster wurde 1095 gegründet.
Die Schutzpatrone sind St. Ulrich (ehemals Bischof von Augsburg ; um 950) und Afra, eine Märtyrerin aus der Augsburger Römerzeit.
1196 kamen Benediktiner nach Neresheim.

1802 endete vorerst das 700-jährige Bestehen des Klosters - mehr als 100 Jahre ohne klösterliches Leben folgten.
Aus Prag vertriebene Benediktinermönche besiedelten 1919 den Ulrichsberg und 1927 wurde das Kloster mit allen Gebäuden von den Grafen von Thurn und Taxis an die Mönche zurückgegeben.


Die Klosterkirche im Telegrammstil:

Um 1770 entstand die heutige Kirche - nach den Plänen Balthasar Neumanns. Die Fresken malte Martin Knoller, die Innenausstattung wurde von Thomas Schaidhauf geschaffen.
Die Einsegnung erfolgte 1777.
Erst 1791 bis 1793 wurde über dem Dreiecksgiebel ein 9m hohes Frontispiz errichtet. Mit Girlanden und Vasen wurde es im klassizistischen Stil erbaut.
Die Fresken malte Martin Knoller in den Jahren 1770 bis 1775.


Balthasar Neumann

Eine kurze Beschreibung zur Baugeschichte der Neresheimer Klosterkirche

Um 1740 wurde ein Neubau der Kirche nötig, da die erst 1695 barockisierte Basilika zu klein wurde und auch die Bausubstanz Mängel zeigte. Balthasar Neumann wurden die Planungsaufgaben übergeben.
1745 begannen die Vorbereitungen, 1747 wurde der Bau in Angriff genommen. Ein Schüler Neumanns - Leonhard Stahl - leitete die Arbeiten.

1750 (am Fest des hl. Ulrich) erfolgte die Grundsteinlegung. Bereits im August 1753 starb Balthasar Neumann. Es folgte eine Weiterführung der Bautätigkeit nach Neumanns Plänen. Meinungsverschiedenheiten über Finanzierung und weitere Baugestaltung im Konvent führten im Juni 1755 zu einem Führungswechsel im Kloster.
Nun rief Abt Angehrn Neumanns Sohn Ignaz Michael zur Fortführung des Baus nach Neresheim. Dieser konnte aber seine Vorschläge nicht ausführen, da der Konvent 1759 beschloss, entgegen den Plänen Neumanns die Kuppeln flacher und aus Holz zu fertigen. 1769/1770 waren die Gewölbe fertig.
Die Fassade wurde im großen und ganzen nach Neumanns Plänen erstellt (bis zum Dreiecksgiebel).
1767 wurden die Plastiken geschaffen.
Die Einsegnung erfolgte 1777.
Erst 1791 bis 1793 wurde über dem Dreiecksgiebel ein 9m hohes Frontispiz errichtet. Mit Girlanden und Vasen wurde es im klassizistischen Stil erbaut. Die Höherführung des Daches über die Mittelkuppel hinweg zwang zu diesem Aufbau.




Einige Daten zur Klosterkirche

Das Innere:

Die Grundrißform bildet ein lateinisches Kreuz.

Die Gesamtlänge misst 83m,
die Breite des Querschiffes misst 35m.

Die Hauptkuppel (24m lang, 20m breit) wird von 4 freistehenden Säulenpaaren getragen.

Von der Hauptkuppel aus schließen sich in beiden Längsrichtungen jeweils 2 quergestellte elliptische Flachkuppeln an, im Querschiff nach beiden Seiten hin je ein längsgerichtetes Kuppeloval.

45 Fenster lassen sehr viel Licht in den Raum fallen.

Die Emporenkrümmung nach innen steht im Gegensatz zur direkt darüber beobachtbaren Gesimskrümmung nach außen.
"Alle Teile des Raumes sind wie durch eine geheimnisvolle Gewalt in Schwingung versetzt und führen gleichsam einen Reigen auf um die Kuppeln". (Keppler)

Martin Knoller fertigte den Freskenzyklus in den Jahren von 1770 bis 1775. Knoller malte in knapp 22 Monaten das gesamte Programm.


Knollers Fresken
... in Ausschnitten
... von West nach Ost






südliches Querschiff:



nördliches Querschiff:











Weitere Innenausstattung


Altäre, Stuck, Figuren, Kanzel und Taufstein wurde von Thomas Schaidhauf geschaffen.
Die Freisäulen erhielten korinthische Kapitelle, die Pilaster Komposit-Kapitelle und die Dreiviertelsäulen ionische Kapitelle.

Rosetten, Blattwerk, Girlanden und Fruchtgehänge schmücken die Fenster und die Galeriengewölbe. Vasen und Puttengruppen befinden sich über den Durchgängen.

Alle Stukkaturen sind in blendendem weiß ausgeführt.

1778 schuf Schaidhauf das gut 6m hohe Kruzifix an der Chorwand über dem Hochaltar.
1779 schuf er die beiden Seitenaltäre: Dreifaltigkeitsaltar (nördl. Querschiff) und Marienaltar (südl. Querschiff). Den Marienaltar ziert eine Holzplastik aus dem 17. Jahrhundert: Maria mit dem Kind.
1780 folgten der Hochaltar im Ostchor.
Die Faldistorien (in den Ecken des Ostchores)kamen 1783 hinzu; ebenso der Abtsthron (Ostchor links) und der Priestersitz (Ostchor rechts) direkt im Anschluss daran.
Die Figuren in der Mitte der Faldistorien sind die beiden Stifterfiguren aus Alabaster: Herzog Tassilo aus Bayern (nach einer Legende gründete er 777 das Kloster) und Graf Hartmann von Dillingen, dem urkundlich erwähnten Stifter.
Die vier Kuppelaltäre an den Füßen der vier Säulenpaare zu Ehren des hl. Josef mit Kind (SO), des hl. Apostelfürsten Petrus und Paulus (SW), der hl. Scholastika (NW) und das hl. Benedikt (NO) schuf er 1786/87.
Ebenfalls 1786 schuf er den Johannes- (Ostseite des südl. Querschiffes) und Andreasaltar (Ostseite des nördl. Querschiffes).
Es folgten die Kanzel (1789; Motiv: hl. Paulus als Prediger in Athen) mit Schalldeckel (gekrönt von einem Engel mit der Tafel der 10 Gebote) und die Kommunionbank.
Gegenüber der Kanzel befindet sich der Taufstein. Darüber Jesus mit einer Jüngergruppe; Gottvater mit der Weltkugel.
1790 kamen der Ulrich- (Westseite des nördl. Querschiffes) und Afraaltar (Westseite des südl. Querschiffes) hinzu.